2026 Adio Limni

Im Herbst gab es in Thessaloniki Probleme mit dem Leihwagen, nun fängt es in Athen schon vorher an. Über eine Stunde stehe ich in der Schlange, um das Wochen vorher gebuchte Auto und seinen Schlüssel zu bekommen. Unmöglich. Und draußen ist es dann wieder total voll und umständlich, den Fabia zu erhalten und durch die Baustellen auf die Autobahn zu kommen. Die Fahrt ist nervig, der Kreisel von Chalkis eine Katastrophe und durch Nea Artaki ist es stressig. Gut, dass danach das grüne Euböa beginnt. Vom Brand ist bei Psachna und später hinter Strofilia kaum etwas zu sehen. Wir sind erleichtert.

Chronia ist leer. Keine Autos, keine Menschen, nur der Dorfhund liegt mitten auf der Straße. Wir bekommen eine Wohnung in dem ehemaligen Stamatishaus und haben denselben Blick wie vor 20 Jahren. Auf der Terrasse hat Luna tolle neue Blumen gepflanzt und am Abend begrüßen uns wieder einmal zwei Delfine im Meer. Echt! Das Wasser ist viel wärmer und weicher als auf Naxos und wir genießen die Stunde im Meer unterhalb des Hauses. So kann es weitergehen.

Wir kaufen im Supermarkt in Rovies ein und fahren abends nach Limni. Im Platanos haben jetzt die jungen Männer der Familie das Sagen. Irgendwann sehen wir Evi und freuen uns. Viel los ist nicht. Wir nehmen Gemista und bekommen zuerst Brot und die Karaffe Wasser. Limni eben.

Morgens hole ich frisches Brot aus Rovies. Der Bäckerladen an der Hauptstraße ist zu. Ich bekomme nebenan im kleinen Laden Limnibrot. Komisch. Unsere alte Unterkunft am Strand ist auch zu, soll jetzt ein Seasidehotel sein, doch sie ist ohne Beschilderung. Komisch. Beginnt die Saison jetzt erst im Juni?  

Am Heraklesbeach treffen wir nur ein Camperpaar aus Deutschland, das schon im Süden der Insel unterwegs gewesen ist. Sie haben gestern hier Quallen in dem ruhigen Wasser gesehen. Wir wollen deshalb lieber nach Ilia, doch die Straße ist mal wieder dicht wegen Erdrutsch, meinen die beiden. Das Hotel bei der alten Fabrik am Nordstrand von Limni wirkt auch leer. Also dann zum Kohili, wo Liegen aufgebaut sind, nur Frappè gibt es erst am Wochenende zur Eröffnung. Komisch. Ein junger Mann geht neben uns ins Meer, schwimmt hinaus, schreit auf und kommt schnell zu seiner Freundin zurück. Der Oberarm hat eine rote größere Brandwunde. Feuerquallen? Wir sind bedient. Auch das Meer an unseren schmalen Hausstrand bevölkern sie.   

Es wird wärmer. Ich hole Brot vom alten Bäcker in Rovies in der Nähe der Reparaturwerkstatt. Er freut sich, sein Brot schmeckt klasse. Wir fahren quer über die Insel durch grüne Hügel, Ginster und Oleander auf die Ostseite. Die Spuren des großen Brandes sind kaum noch sichtbar, aber es gibt auch Lostplaces.  

In Agia Anna ist nichts los, der Strand reizt uns nicht. Dann geht es hinunter zum „Hafen“ von Mandoudi, der noch genau so hässlich ist wie letztes Mal. Nur die Menge der Kapellen überrascht uns in der Hafeneinöde...

Die Zufahrt zu unserem alten Platz bei Chronia ist zugewachsen. Das kommt uns wie ein Zeichen vor. Wie die Riesenflotte an Feuerquallen, die uns das Meer vor Limni verschlossen hat.

Limni selbst hat sich kaum verändert. Seit 1979. 

Wir treffen am späten Abend den großen alten Jannis vom Platanos. Unsere letzte Erinnerung an alte Zeiten. Wir sagen Adio. Auf der Terrasse erleben wir Wetterleuchten und Blitze über dem Festland, doch dann haben wir eine ruhige Nacht. Adio Euböa, adio Evia.