Nikiti 2025

Oktober 2025

Die Sonne kommt um neun heraus. Der Porfistrand liegt noch im Schatten. Also machen wir uns auf nach Vourvourou. Der Karidibeach hat sich in den letzten sechs Jahren leicht verändert. Einige Pinien liegen schräg, manche sind etwas angebrannt. Ganz viele Wurzeln sind zu sehen. In einer etwas windgeschützten Ecke lassen wir uns nieder. Die Kantina ist offen, doch wir sind mit Tiropites und Frappédes vom Bäcker in Nikiti gut versorgt. Das Wasser ist erst frisch, aber nach fünfzig Metern kann man gut eintauchen. Uns wird schnell warm. Allein dafür hat sich die Reise schon gelohnt.  

Über 500 Tage sind wir nicht in Griechenland gewesen, Ramona hat mich mit dem Wunsch überrascht, doch noch mal nach Nikiti zu reisen, wo es im Oktober bestimmt nicht schwierig für ihre Bronchien wird. Ich buche lastminute das uns bekannte Porfi und bin froh und unsicher.  

Am Abend genießen wir die Atmosphäre „unserer“ Taverna Sonia. Wir erfreuen uns an tollen Gigantes und Keftedes in Tomatensoße und dem Kormos mit Eis, das Georgios uns lächelnd mit der Rechnung bringt, und können gut schlafen.

Morgens frühstücken wir vom üppigen Buffet des Porfi und testen dann wieder mal den Kalogriastrand im Westen von Sithonia. Drei Angler sitzen dort, sonst ist es leer. Alles abgebaut. Dann besser zurück und im Osten zum Trani Ammouda vor Ormos Panagias, den wir auch gut kennen. Und – gleiches Bild: Nichts los, kein Mensch. Also erleben wir wieder einen schönen Tag mit Familien und kleinen Kindern am Karidi.

Im Gegensatz zu 2019 hören wir kaum Serbisch oder Bulgarisch, auch im Hotel nicht. Eine Nachbarin empfiehlt uns am nächsten Tag den Favabeach, der südlich liegen soll. Wir sind an ihm wohl früher öfter vorbeigefahren. Nun erleben wir einen sonnigen buchtigen Sandstrand ganz allein. Natürlich geben wir den Tipp gern weiter.  

Abends essen wir im Antigoni am Anleger, doch das Lokal ist nicht mit dem von früher zu vergleichen und mit der Sonia schon gar nicht. Wir bummeln kurz, kaufen leckeren Kuchen und schauen dann im leeren Apothiki vorbei, wo wir eine Ausstellung von Manolis Charos besuchen. Die Kalafatisbilder von 2019 fanden wir interessanter. Aber toll, dass wir in Nikiti Werke solche Künstler sehen können!

Mit dem Wetter haben wir Mitte Oktober viel Glück. Fast jeden Tag viel Sonne. Als eines Morgens Wolken aufziehen, machen wir uns auf die geplante Rundreise, um Erinnerungen aufzufrischen. An Marmaras und Porto Carras vorbei geht es in Richtung Toroni. Nach längerem Suchen finden wir die alte Hippiebar der 80er, die Ethnik-Bar. Wir freuen uns. Porto Koufo sieht aus wie vor 40 Jahren, auch unsere alten Unterkünfte und die Tavernen haben sich kaum verändert. Kalamitsi und vor allem Sarti sind viel touristischer geworden. In Sarti gibt es jetzt im Herbst sogar  Führungen für Busgäste. Als die Sonne doch noch herauskommt, gibt es als Dessert den Besuch des Karidi.

Ich mache einen Spaziergang zur alten Disco im Norden und dann zum Mikrokaridi im Süden. Es muss vor einiger Zeit geregnet haben, denn alles ist grün.

Obwohl – der richtige Nachtisch ist der Besuch des alten Dorfes in Nikiti. Wir suchen wieder nach dem Haus Maroula von Horst Sonne von vor 35 Jahren. Das Dorf und die Straßen sind gut restauriert mit alten Steinen. Wir fragen uns durch, niemand erinnert sich. Schließlich ist unsere Suche doch erfolgreich. Wir sind glücklich. Danach trinken wir am Dorfplatz im Barcarolla unseren Frappé und genießen die Ruhe. Die alte Taverne Platanos gegenüber heißt jetzt auch Barcarolla. Wir hätten hier statt im Antigoni essen sollen. Makis erzählt uns, dass unser alter Freund Nikos wohl nicht mehr lebt. Oben bei der Kirche Agios Nikitas sei ein großer Friedhof. Natürlich fahren wir durch enge Gassen hoch und werden nicht fündig. Niemand erinnert sich. Schade.

Wir genießen unsere Essen im Sonia mit Rote-Bete-Zaziki, Stifado oder gefüllten Kalamari und jeden Abend mit gefüllter Aubergine vom Holzkohlegrill. Die Stimmung ist gut. Wir erleben dort, aber auch im Porfi die „alte“ Gastfreundschaft früherer Jahre. Hausmeister Niko und Svetlana helfen uns beim Abwaschen des Harzes auf unserem Wagen. Se pende chronia, sagt er. Mal sehen.